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Virginia Satir (1916 - 1988) studierte an der Universität
von
Chicago, war Sozialarbeiterin und Dozentin für Familien-
therapie, erhielt das Ehrendoktorat der Universität von
Wisconsin und arbeitete als Familientherapeutin in eigener
Praxis.
Sie lehrte Familiendynamik am Illinois State Psychatric
Institute und gehörte seit 1959 einer Arbeitsgruppe von
Psychiatern, Psychologen und Sozialarbeitern in Palo Alto
an. Virginia Satir war eine der einflußreichsten Gründer-
gestalten des familientherapeutischen Ansatzes im Bereich
der Psychotherapie. In einer einzigartigen Synthese verband
sie in ihrer Arbeit wesentliche Grundhaltungen der
Humanistischen Psychologie in den kommunikations-
theoretischen Entwürfen der Palo-Alto-Gruppe.
Unter den Begründern der Familientherapie kommt Virginia
Satir eine besondere Bedeutung zu: Schon 1951 arbeitete
sie als erste Therapeutin mit einer vollständigen Familie.
Mit großer Schaffenskraft und Kreativität fand sie
neuartige
Wege des therapeutischen Zuganges für nicht therapiefähig
gehaltene, hospitalisierte, psychiatrische Patienten und
deren Angehörige. Sie überwand das medizinische linear-
kausalische Krankheitsmodell und entwickelte auf der Grund-
lage eines humanistischen, wachstumsbezogenen Men-
schenbildes ein ganzheitlich-systemisches Behandlungs-
modell.
In der Mitte der fünfziger Jahre erprobte Virginia Satir
ihre
neuen Ideen der Therapie von ganzen Familien und bezog
diese, für die damalige Zeit revolutionären, Vorstellungen
in
die Ausbildung für Psychiater mit ein. Ihre Erfahrungen
tauschte sie mit Murray Bowen aus, der auch gerade er-
kannt hatte, welche Bedeutung die Familien seiner Patien-
ten für deren Behandlung in seiner kinderpsychiatrischen
Klinik hatte.
Virginia Satir war Mitbegründering des Mental Research
Institute (MRI, 1959).
Sie hatte einen maßgeblichen Einfluß auf die dortigen
For-
schungs- und Denkansätze und sicherte als sehr erfahrene
und anerkannte Praktikerin und Aubilderin in Familien-
therapie die starterleichternde finanzielle Unterstützung
des Instituts. Virguinia Satir entwickelte nicht nur im fach-
lichen Austausch mit Kollegen Ihre kreativen Ideen, sondern
sie lernte besonders im lebendigen Umgang mit den unter-
schiedlichsten Menschen jeden Alters. Über sieben Jahre
(59-66) leitete sie die Ausbildungsprojekte am MRI und
brachte ihre Theorien und Praxiserfahrungen zu Papier.
Aufgrund der vielen Nachfragen ging Virginia Satir Anfang
der sechsziger Jahre in viele Staaten der USA, Canada und
Europa und demonstrierte ihre praktische Arbeit mit Patien-
ten, angehenden Familientherapeuten und deren Familien-
angehörigen. Ihr Konzept der Arbeit mit heterogenen Grup-
pen setzte sie, besonders nach ihrem Weggang aus dem
MRI 1967, zunehmend in allen Teilen der Welt um. Aufgrund
ihrer Initiative entstanden Ausbildungsgruppen in Austra-
lien, Schweden, Deutschland (1975) und der Tschechoslo-
wakei (1979) und in vielen anderen Staaten. Indem sie in
den jeweiligen Ländern unter der Berücksichtigung der
ver-
schiedenen etnischen, historischen und sozialen Hinter-
gründe über mehr Jahre (z.B. in 4-Wochen-Seminaren)
den Kontakt zu den Menschen aufrecht erhielt, schaffte sie
die Basis für tiefgreifende Arbeiten, auch und gerade im
Kontext gesellschaftlicher Tabus. So wurden dank der von
ihr entwickelten Form der Familienkonstruktion z.B.
Themen wie "Nationalsozialismus" in ihrer über
mehrere
Generationen weitergegebenen Auswirkungen angehbar.
neben einer Fülle von unveröffentlichten, aber viel
gelese-
nen Manuskripten, Filmen usw. hat Virginia Satir speziell für
den praktischen Gebrauch der Menschen, die mit ihrer Arbeit
in Kontakt kamen, weitere 6 Bücher geschrieben. In diesen
Büchern benutzt sie zur Demonstration ihrer Vorgehenswei-
se und ihrer inneren Ausrichtung zahllose Bilder, persönlcihe
Anekdoten, Witze, Symbole usw., die für viele erst durch
ein
direktes Erleben ihrer Persönlichkeit lebendig werden.
Virginia Satir hat viele Familientherapeuten, die heute mit
ihrem eigenen und speziellen Stil bekannt sind, in ihrer Aus-
bildung gefördert, z.B. Ivan Nagy, Salvador Minuchin, Maria
Gomorrhi, Maria Bosch, Carole Gammer und Martin Kirschen-
baum. Hauptsächlich ihre therapeutische Arbeit und die von
Milton H. Erickson wurden zu einer lenbendigen Grundlage für
die Neuentwicklung von Theorien und Methoden, so für die
kommunikationstherapeutischen Ansätze z.B. des MRI und
für das Neurolinguistische Programmieren (NLP).
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